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Deutschförderklassen abschaffen – parlamentarische Bürgerinitiative

Die sogenannten Deutschförderklassen grenzen Kinder aus, statt sie zu fördern. Hunderte Eltern haben mich in den letzten Monaten kontaktiert, weil sie verzweifelt sind. Ihre Kinder werden nämlich bereits im Vorschulalter im Rahmen eines ungefähr 15-minütigen Tests (MIKA-D Kompetenzfeststellung) beurteilt,  aussortiert und in Deutschförderklassen gesteckt. Es gibt drei mögliche Ergebnisse bei diesem Test. „Ausreichend“, „mangelhaft“ und „unzureichend“. Das heißt, das bestmögliche Ergebnis für die betroffenen Kinder im Rahmen dieses Tests ist „ausreichend“. Sofern das Ergebnis „unzureichend“ ist, werden die Kinder mit anderen Kindern, die Sprachdefizite haben, in eine eigene Klasse gesteckt. Unser Bildungssystem schafft somit im Kindesalter eine parallele Struktur, wo Kinder getestet, beurteilt, für „unzureichend“ befunden und in weiterer Folge aussortiert werden. Beinahe alle Bildungsexpertinnen und -experten kritisieren diese Form der Kompetenzfeststellung, da sie nur eine Momentaufnahme darstellt und Kindern nicht einmal die Chance gibt, sich ordentlich vorzubereiten. Man bekommt nämlich als Eltern nicht einmal eine Information, was tatsächlich abgefragt wird und man darf auch nicht beim Test dabei sein. Das ist einerseits intransparent und andererseits angesichts der Tatsache, dass teilweise fünfjährige Kinder getestet werden, mehr als nur unangebracht.

Es müssen Sprachförderungsangebote und Rahmenbedingungen geschaffen werden, die allen Kindern in Österreich die gleichen Bildungschancen ermöglichen. Die Deutschförderklassen in Kombination mit den MIKA-D Tests bewirken hier leider das genaue Gegenteil. Die Aneignung der deutschen Sprache ist für den Bildungserfolg maßgeblich entscheidend und Maßnahmen zur Deutschförderung sind daher mehr als begrüßenswert. Der Schlüssel dafür ist aber nicht die Schaffung von Parallelstrukturen an den Schulen mittels Deutschförderklassen und die Ausgrenzung mehrsprachiger Kinder aus der Regelklasse. Die Trennung von Kindern mit unzureichenden Deutschkenntnissen von ihren gleichaltrigen Schulkollegen ist nichts anderes als ein Zweiklassen-Bildungssystem. Die Ausgrenzung von mehrsprachigen Kindern durch den MIKA-D Test entspricht auch nicht internationalen Qualitäts-Standards und basiert auf einer komplett veralteten Konzeption von Sprache und Kommunikation. Die Deutschförderklassen und der dazugehörige Kompetenztest (MIKA-D-Test) sind daher beides Instrumente der Bildungsungerechtigkeit, die die Bildungsschere weiter auseinandertreiben. Aus diesem Grund müssen sie so bald wie möglich abgeschafft werden – daran führt kein Weg vorbei!

Eine positive Entwicklung ist, dass immer mehr Pädagoginnen und Pädagogen sich gegen diesen ungerechten Selektionsprozess wehren. Vor Kurzem wurde in diesem Zusammenhang unter dem Motto „Lasst Kinder gemeinsam lernen!“ die „Initiative gegen Deutschförderklassen“ ins Leben gerufen, um insbesondere Expertinnen und Experten aus der Praxis zu Wort kommen zu lassen. Diese Initiative kann auf https://mein.aufstehn.at/p/gegendeutschklassen unterstützt werden.

Das Ganze hat natürlich auch eine politische Dimension: Die Grünen waren stets gegen die Einführung der Deutschförderklassen unter der ÖVP- und FPÖ-Regierung. Seitdem sie selbst in der Regierung sitzen, ist aber die Kritik diesbezüglich verstummt. Der Koalitionsfrieden ist wohl mehr wert, als die Zukunft von tausenden Schülerinnen und Schülern. Leider wurde dieses ungerechte System unter der türkis-grünen Regierung ohne viel Kritik fortgesetzt. Da die Bundesregierung an diesem diskriminierenden System festhält und nicht darüber nachdenkt, die Deutschförderklassen abzuschaffen, ist es Zeit, als Bürgerinnen und Bürger das Zepter selbst in die Hand zu nehmen. Wir starten daher eine parlamentarische Bürgerinitiative zur Abschaffung der Deutschförderklassen und des MIKA-Tests. Es sind insgesamt 500 Unterschriften notwendig, um eine parlamentarische Bürgerinitiative zu initialisieren. Diese Unterschriften werden dann samt der Initiative dem Parlamentspräsidenten übergeben und werden auf der Homepage des Parlaments aufgelistet. Dort kann die Initiative anschließend online von allen österreichischen Staatsbürgerinnen und -bürgern unterstützt werden. Dadurch soll erreicht werden, dass das österreichische Parlament sich mit der Abschaffung der Deutschförderklassen und des MIKA-D-Tests befassen muss. Gemeinsam können wir es schaffen, dass jedes Kind die Chance auf eine erfolgreiche Zukunft bekommt.

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