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Versprochen und eingehalten – Bürgerinitiative im Parlament eingebracht

Am vergangenen Freitag haben wir die Unterschriften der parlamentarischen Bürgerinitiative betreffend die Abschaffung der Deutschförderklassen an die zweite Präsidentin des Nationalrats, Doris Bures, übergeben. Ich hatte versprochen, dass wir das Thema gemeinsam ins Parlament nach Wien tragen werden und das Versprechen wurde eingehalten. Über 10.000 Menschen haben die Online-Petition, die von Sprachexperte Ali Dönmez ins Leben gerufen worden ist, unterstützt. Für die Einbringung der parlamentarischen Bürgerinitiative wurden zusätzlich 752 Unterschriften in analoger Form gesammelt – so sieht es das Gesetz vor. Das Ziel der Bürgerinitiative ist es, eine breite politische Diskussion herbeizuführen. Das ist uns nun auch gelungen, in der letzten Sitzung des Parlaments wurde breit über die Deutschförderklassen diskutiert. SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid hatte einen entsprechenden Antrag eingebracht.

Es führt kein Weg daran vorbei, das ungerechte System der Deutschförderklassen muss abgeschafft werden. Kindern wird systematisch die Zukunft verbaut und das sehen nicht nur die über 10.000 Menschen, die die Online-Petition unterstützt haben, so, sondern auch betroffene Eltern sowie der Großteil des Lehrpersonals. Die Corona-Krise verschärft nochmals die Problematik rund um die Deutschförderklassen: Gerade für Schüler*innen von Deutschförderklassen war das Homeschooling in beiden Lockdowns besonders problematisch. Sie waren zuhause und haben wahrscheinlich wieder ausschließlich in ihrer Muttersprache kommuniziert, weil ihre Eltern meistens nicht länger als sie selbst in Österreich leben und oft den ganzen Tag in systemrelevanten Berufen arbeiten müssen. Das ganze Ausmaß der negativen Folgen der Schulschließungen werden wir wohl erst im kommenden Jahr sehen. Die Diskussion um die Deutschförderklassen hat erst vor wenigen Tagen wieder zusätzlichen Aufwind erhalten: In einer groß angelegten Studie der Uni Wien lehnten rund 80 % der Pädagog*innen die bestehenden Deutschförderklassen ab. Dies ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Deutschförderklassen umgehend abgeschafft gehören.

Der erste große Meilenstein ist mit der Übergabe der Unterschriften erreicht. Die erforderlichen Unterschriften habe ich – mit der Unterstützung vieler Eltern aus ganz Österreich – rasch gesammelt. Die Bürger*innen haben jetzt die Möglichkeit die Bürgerinitiative auf der Homepage des österreichischen Parlaments digital zu unterstützen. Die Bürgerinitiative wird anschließend im Petitionsausschuss des österreichischen Parlaments diskutiert. Das erste Zwischenziel ist erreicht, aber wir haben noch einen langen Weg vor uns, bis das ungerechte System der Deutschförderklassen abgeschafft wird – aber gemeinsam werden wir es schaffen, davon bin ich überzeugt. Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren. Dieses diskriminierende System, das Kinder beurteilt, für “unzureichend” befindet und dann in Deutschförderklassen aussortiert, muss ehestbald ein Ende haben. Wir schaffen durch diese parallele Struktur in unseren Schulen eine Generation, der wir keine Chancen und Perspektiven bieten werden können. Das Ergebnis wird eine verlorene Generation an Kindern sein und die negativen gesellschaftlichen Folgen werden verheerend sein. Es soll daher niemand dem Irrglauben erliegen, dass das Thema Deutschförderklassen nur Menschen mit Migrationshintergrund betrifft – es ist vielmehr ein gesamtgesellschaftliches Problem!

 

Foto v.l.n.r. Ali Dönmez, Tarik Mete, Doris Bures

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ein Kommentar

  1. Ich hab kuerzlich eine Nachricht von einer engagierten Innsbrucker Mittelschullehrerin bekommen, die darlegt, wie an ihrer Schule das Beste aus den Deutschklassen gemacht wird – allerdings unter massivem Zusatzeinsatz von Hirn und Zeit, der leider nicht von allen Lehrer*innen geleistet wird und auch nicht erwartet werden kann. Ich bin nicht fuer diese verpflichtenden Deutschfoerderklassen, sondern fuer schulautonome Moeglichkeiten, UND ABER dafuer die noetigen personellen, raeumlichen und finanziellen Ressourcen.

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