GESUNDHEITJUGEND

Wien knüpft ein Rettungsnetz für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen

Vizebürgermeister und Gesundheitsstadtrat präsentieren Maßnahmenpaket für psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen

(rk) Die aktuelle Corona-Pandemie und insbesondere die damit verbundenen Lockdowns stellten und stellen viele Kinder und Jugendliche und ihre Eltern vor enorme Herausforderungen. Neben dem Home Schooling auf teilweise sehr beengtem Lebensraum waren viele junge Menschen über einen längeren Zeitraum von ihren Freunden getrennt. Dies hat weitreichende körperliche und seelische Beeinträchtigungen zur Folge. Gesundheitseinrichtungen stellen einen deutlichen Anstieg an Depressionen, Essstörungen, Angst-und Panikzuständen, aber auch steigendes körperliches Unwohlsein bei den betroffenen Kindern und Jugendlichen fest.

Die nach den Semesterferien erfolgte Schulöffnung ist dabei für Vizebürgermeister und Bildungsstadtrat Wiederkehr ein erster sehr wichtiger Schritt, Kindern und Jugendlichen Stabilität zurückzugeben und auch bei Eltern für die dringend benötigte Entlastung zu sorgen: „Die Schulöffnung hat zu einer spürbaren Entlastung bei allen Betroffenen gesorgt. Unser erklärtes Ziel ist es, die Schulen und Kindergärten, wenn es das Infektionsgeschehen zulässt, offen zu halten, um eine weitere Verschärfung der Lage zu vermeiden. Uns ist es wichtig, dass Wien zur kinder-und jugendfreundlichsten Stadt wird und die psychosoziale Gesundheit der Kinder und Jugendlichen spielt dabei eine ganz entscheidende Rolle. Wir stellen uns der aktuellen Problematik und haben ein sehr breitflächiges Netz an Beratungen und konkreten Hilfestellungen gespannt. Wichtig ist jetzt, dass wir helfen wo es nötig ist und wir allen Betroffenen eine Perspektive für eine positive Zukunft geben können!“, so Wiederkehr.

Auch für Gesundheitsstadtrat Peter Hacker nehmen offene Bildungseinrichtungen und Freizeitangebote eine Schlüsselrolle bei der Abfederung der psychosozialen Folgen der Pandemie ein. „Der Verlust von positiven Erlebnissen im Alltag hat bei vielen Kindern und Jugendlichen zu einem sozialen Rückzug und zu psychischen Problemen geführt. Dem müssen wir auf unterschiedlichen Ebenen begegnen: Es braucht Perspektiven und Planbarkeit. Und wir müssen diejenigen unterstützen, die akut Hilfe brauchen“, so der Sozial- und Gesundheitsstadtrat. „Die Stadt Wien hat unmittelbar nach Ausbruch der Pandemie den Psychosozialen Krisenstab eingerichtet. Schon davor haben wir damit begonnen, die psychosoziale Versorgung stark auszubauen. Seit einem Jahr gibt es das kinder- und jugendpsychiatrische Ambulatorium in Hietzing. Mit neuen Vorreiter-Projekten wie dem Home Treatment setzen wir diesen Weg fort und schaffen weitere Angebote für junge Menschen in Krisensituationen.“

Gesundheitspsychologin Caroline Culen pflichtet Wiederkehr und Hacker bei: „Kinder und Jugendliche haben sich in der Corona-Pandemie unglaublich kooperativ, rücksichtsvoll und solidarisch gezeigt. Aber ihre Bedürfnisse wurden die längste Zeit übersehen. Die Symptome der Belastung der Jugend – depressive Symptomatik, Ängste, Freudlosigkeit – sind nicht mehr zu übersehen. Jetzt ist der Zeitpunkt, wo das ehrliche Bemühen um ihr Wohlergehen und ihren Schutz sowie das Aufzeigen von Perspektiven und konkrete Unterstützungsangebote unerlässlich sind.“

Die Stadt Wien nimmt die derzeitige Entwicklung sehr ernst und stellt nun ein umfassendes Paket an Hilfestellungen für Betroffene vor.

Schwerpunkte und Maßnahmen aus dem Bereich der Kinder-und Jugendhilfe sowie der Wiener Jugendarbeit:

Wiederkehr setzt in seinem Ressort vor allem auf den Ausbau der Beratungsmaßnahmen.  Bei folgenden Beratungs- und Unterstützungsangeboten der Wiener Kinder-und Jugendhilfe finden Betroffene eine Anlaufstelle: Die Servicestelle der Wiener Kinder-und Jugendhilfe, die Familienzentren, die Regionalstellen Soziale Arbeit mit Familien und die Psychologische Onlineberatung. Zusätzlich wird das Angebot der psychologischen Telefonberatung deutlich erweitert, unter der Service-Nummer 4000 8011 wird nun ganztägig von 08:00 – 18:00 die telefonische Beratung durch PsychologInnen möglich sein. Außerdem wird es einen Jahresschwerpunkt „Gesundheitskompetenz.JA“ der Stadt Wien – Bildung und Jugend, Fachbereich Jugend geben. Im Zuge dessen wird es Angebote und Maßnahmen in u.a. Sport und Bewegung, Verbesserung von seelischer und psychischer Gesundheit, sowie Digital Wellbeing geben. Nicht zu vergessen ist das umfangreiche Angebot der Wiener Jugendarbeit vor Ort in verschiedenen Standorten, wo es aktuell auch Journaldienste gibt, oder Beratungen durch JugendarbeiterInnen im öffentlichen Raum, sowie Online Angebote der Kinder und Jugendarbeit.

Projekte und Maßnahmen aus dem Bereich der psychosozialen Versorgung:

Im Rahmen des im März 2021 startenden Pilotprojekts „Home Treatment“ werden multiprofessionelle Teams für eine Dauer von jeweils drei bis sechs Monaten bei einer Familie tätig. Die Behandlung erfolgt durch PsychiaterInnen, Diplomierte Gesundheits- und KrankenpflegerInnen, PsychologInnen, PsychotherapeutInnen sowie SozialarbeiterInnen und ist vergleichbar mit dem stationären bzw. tagesklinischen Bereich, der dadurch entlastet wird. Das Home Treatment ist eine Kooperation des PSD mit dem AKH und wird im Zuge des Psychiatrischen und Psychosomatischen Versorgungsplans 2030 durchgeführt. Im Projektzeitraum sollen mindestens 50 Kinder und ihre Familien versorgt werden. Auch mit dem kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulatorium Extended Soulspace auf dem Gelände der Klinik Hietzing wurden die Kapazitäten in der Versorgung der Zielgruppe deutlich aufgestockt.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Corona-Sorgenhotline Wien. Sie ist eine zentrale Anlaufstelle für alle Wienerinnen und Wiener bei psychosozialen Belastungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie. Seit Inbetriebnahme Ende April 2020 wurden rund 10.000 Beratungs- und Entlastungsgespräche geführt, insbesondere auch zu familiären Problemstellungen. Unter 01/4000 53000 steht täglich zwischen 8 und 20 Uhr ein Team von PsychologInnen, PsychotherapeutInnen und SozialarbeiterInnen zur Verfügung.

„Die Herausforderungen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie sind überall ähnlich“, sagt Georg Psota, Chefarzt der Psychosozialen Dienste (PSD) in Wien. „Um eine möglichst breite Versorgung zu garantieren, setzt die Stadt Wien ganz bewusst auf die Verschränkung von stationären und ambulanten Angeboten mit Tageskliniken und niedergelassenen ÄrztInnen. Es muss aber allen klar sein, dass uns die psychosozialen Folgen der Pandemie noch über Jahre begleiten werden. Um das abzufedern, braucht es eine gemeinsame Kraftanstrengung aller Beteiligten im Gesundheitswesen.“, so Psota abschließend.

ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"